Presse SoVD-Landesverband Hamburg

Aufsuchende Seniorenarbeit

Endlich bringt der Hamburger Senat das Pilotprojekt auf den Weg. Allerdings unterschätzt die Fachstelle den Aufwand, den die Umsetzung mit sich bringen könnte, meint Klaus Wicher, 1. Landesvorsitzender Sozialverband Deutschland (SoVD) in Hamburg.

Gerade hat die Fachstelle „Hamburger Hausbesuche für Senioren und Seniorinnen“ stolz ihre Einrichtung verkündet. Nun sucht sie erst einmal engagierte Bürger, die die 80-Jährigen in den beiden Pilotbezirken Eimsbüttel und Harburg besuchen und feststellen sollen, ob und welche Hilfe benötigt wird.

„Das ist ja alles gut und schön und wir freuen uns, dass unsere langjährige Forderung nach einer aufsuchenden Seniorenarbeit endlich umgesetzt wird, zumal sich der rot-grüne Senat schon in seiner Koalitionsvereinbarung vor dreieinhalb Jahren darauf festgelegt hatte“, stellt Klaus Wicher fest. Statt mit Profis werde jetzt allerdings mit Amateuren geplant, gibt sich Wicher unzufrieden: „Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks hatte schon zu Beginn des Jahres angekündigt, dass die Maßnahme endlich umgesetzt werden soll. Erst ein halbes Jahr später ist die Fachstelle eingerichtet. Nun müssen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesucht und auch noch geschult werden –  ich rechne nicht damit, dass die ersten Hausbesuche vor Jahresende stattfinden werden. Alles in allem ist das eine schwache Vorstellung und man bekommt den Eindruck, dass hier ein gutes Projekt nur sehr halbherzig vorangetrieben wird.“

Anders als im Koalitionsvertrag vollmundig versprochen, werden nicht alle Senioren in Hamburg besucht, sondern nur in Eimsbüttel und Harburg – und auch nur diejenigen, die gerade 80 geworden sind. „Hier hat Frau Senatorin Prüfer-Storcks deutlich zu kurz geplant, denn die Fachstelle rechnet mit nur 1.000 Hausbesuchen pro Jahr, die von Ehrenamtlichen und Honorarkräften geleistet werden sollen.“ Allein 3.000 Achtzigjährige leben in den beiden Testbezirken.

Was außerdem die wenigsten Senioren wissen: Jeder, der einen Hausbesuch wünscht, kann dies theoretisch anmelden. Dabei fehlt es aus Wichers Sicht aber noch ganz deutlich an Transparenz: „Bisher findet hierzu keine Öffentlichkeitsarbeit statt. Jüngere oder ältere Seniorinnen und Senioren, denen das Angebot auch helfen könnte, werden komplett alleingelassen: Fragen zu Anlaufstellen und Ansprechpartnern wurden bisher gar nicht beantwortet.“