Presse SoVD-Landesverband Hamburg

Altersarmut ist in Hamburg auf dem Vormarsch

Der Sozialverband SoVD Hamburg warnt vor den Folgen – ein Konzept könnte die Not der Betroffenen lindern.

Altersarmut wird auch in Hamburg immer mehr zu einem Thema, das große Teile der Gesellschaft betrifft. Dies belegen aktuelle Zahlen des Statistikamts Nord. Im März 2015 waren bereits 40.087 Hamburger auf Grundsicherung angewiesen – nahezu eine Verdoppelung gegenüber 2005 (damals wurden 20.613 Fälle registriert).        

Angesichts dieser Entwicklung fordert der Sozialverband SoVD ein sofortiges Handeln und umfassende Reformen. „Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Auch in der täglichen Beratungspraxis ist die Rente ein stark nachgefragtes Thema. Immer mehr Menschen suchen bei uns Hilfe, weil sie Angst haben, im Alter nicht mehr genug zum Leben zu haben“, sagt der Hamburger SoVD Vorsitzende Klaus Wicher. Vor allem Langzeitarbeitslose, Frauen und Menschen mit Behinderung sind seiner Erfahrung nach akut von Altersarmut bedroht. Auch bei der Gruppe der Solo-Selbstständigen steige das Risiko rapide, im Alter zu verarmen, so Wicher. 

Der SoVD hat dazu ein Konzept erstellt, das konkrete Lösungsansätze aufzeigt, um der Altersarmut zu begegnen. Außerdem informiert der Sozialverband in einer bundesweiten Kampagne darüber, wie Altersarmut entsteht und wie sie wirksam bekämpft werden kann. Damit sollen sowohl politische Entscheidungsträger angesprochen werden, als auch die Bevölkerungsgruppen, für die das Risiko wächst, im Alter zu verarmen. SoVD-Konzept gegen Altersarmut

Von Altersarmut betroffen sind in Hamburg diejenigen, die mit weniger als 1.010 Euro (Ein-Personenhaushalt) im Monat auskommen müssen. Von gesellschaftlicher Ausgrenzung bedroht sind darüber hinaus auch die Menschen, die oft nicht rechtzeitig Miete, Wasser, Strom oder Heizung zahlen oder unerwartete Ausgaben nicht decken können. Insgesamt ist jeder Fünfte in Deutschland von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht.

Im Jahre 2015 waren in Hamburg 23.894 über 65-Jährige und 16.193 voll Erwerbsgeminderte unter 65 Jahren auf Grundsicherung angewiesen. Im Vergleich dazu mussten im Jahr 2005 nur etwa die Hälfte, nämlich 20.613 Menschen finanziell unterstützt werden (13.194 Menschen über 65 Jahre, 7.419 Erwerbsgeminderte). Der Trend setzt sich weiter fort: Im März 2016 wurden 41.413 Menschen mit Anspruch auf Grundsicherung registriert (davon 24.671 über 65-Jährige, 16.742 Erwerbsgeminderte). 

Bundesweit entspricht die Entwicklung der in der Hansestadt Hamburg. Waren 2010 noch 4,9 Millionen Menschen im Alter von 55 und älter von Altersarmut betroffen, stieg deren Zahl seither kontinuierlich auf zuletzt 5,7 Millionen (Stand Dez. 2015). Damit waren 20,8 Prozent aller Menschen im Alter von 55 und älter von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. EU-weit liegt der Anteil mit 20,7 Prozent leicht unter dem in Deutschland. Daten für 2016 liegen noch nicht vor.