Presse SoVD-Landesverband Hamburg

Altersarmut: Immer mehr Senioren können von Rente nicht leben

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Rentner in Hamburg, die Grundsicherung im Alter beantragen müssen, um vier Prozent gestiegen. Der Sozialverband Deutschland e.V. (SoVD) hat immer wieder vor der wachsenden Altersarmut gewarnt – und dringend Maßnahmen von Seiten der Politik eingefordert, sagt der Hamburger SoVD-Chef Klaus Wicher.

Spricht das Statistische Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein in seiner heutigen Pressemitteilung von gut 25.500 Frauen und Männern zum Jahresende 2017, so waren es im März 2018 tatsächlich nochmals gut 400 mehr. „Damit hat die Zahl der armen Rentnerinnen und Rentner auch offiziell seinen bisherigen Höchststand im Dezember 2017 erreicht und die Zahlen zeigen deutlich, dass sich dieser Trend ungebrochen fortsetzt. Das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht“, stellt der Klaus Wicher, 1. Landesvorsitzender SoVD Hamburg, fest.

Die Ursachen für diese Entwicklung liegen klar auf der Hand: deutlicher Anstieg prekärer Beschäftigung (z.B. Mini- und Midi-Jobs, Zeitarbeit, Teilzeitbeschäftigung), die insbesondere auch Frauen trifft, die noch immer ganz überwiegend für Kindererziehung und Pflege von Angehörigen „zuständig“ sind. So sind denn auch über die Hälfte der Grundsicherungsbezieher Frauen.
Ein Übriges zur Entwicklung steuert die beständig hohe Zahl von Langzeitarbeitslosen bei. „Langzeitarbeitslose Menschen haben so gut wie keine Chance auf einen Job auf dem Ersten Arbeitsmarkt. Dies sind ca. 20.000 Menschen allein in Hamburg. Ihnen droht ein nahtloser Übergang in die Altersarmut, ohne Umkehrmöglichkeiten“, so Wicher.

„Der Senat muss endlich handeln und etwas für die Verbesserung der Lebenssituation seiner armen Seniorinnen und Senioren tun. Unsere Vorschläge und Forderungen liegen auf dem Tisch und sind angesichts der guten Hamburger Finanzlage auch finanzierbar“, sagt Wicher.

Der SoVD fordert vom Senat unter anderem für bedürftige Senioren:

1.    Dem Beispiel von München folgen und sofort 20 Euro Zuschlag auf den Regelsatz zahlen, solange dieser nicht bedarfsgerecht bundesweit angehoben wird
2.    Schnelle Ausweitung der aufsuchenden Seniorenarbeit, um deren Bedarf feststellen zu können
3.    Kostenfreie haushaltsnahe Dienstleistungen flächendeckend anbieten, um den Verbleib in der Wohnung zu sichern und soziale Kontakte zu ermöglichen
4.    Mobilität sichern über eine kostenfreie HVV-Seniorenkarte ohne Uhrzeitbeschränkung
5.    Kostenfreier Eintritt für kulturelle Veranstaltungen, u.a. in Museen und Theater
6.    Deutliche Erweiterung des sozialen und barrierefreien Wohnungsbaus, so dass die Anzahl der Sozialwohnungen wieder deutlich steigt und die Mieten bezahlbar werden
7.    Großzügige Zuschläge auf die Kosten der Unterkunft gewähren und keinen Zwang zum Umzug wegen zu hoher Mieten ausüben