Presse SoVD-Landesverband Hamburg

Neues 360-Grad-Mobilitätskonzept für Hamburg

Die Corona-Schutzmaßnamen reichen wohl bis in den Sommer – und verändern die Mobilität. Doch auch über Corona hinaus fordert SoVD-Landeschef Klaus Wicher „eine neue soziale Mobilitätsoffensive, die alle Verkehrsformate vernetzt.“

„Wenn über neue Verkehrskonzepte zu Gunsten von Bus, Bahn und Rad diskutiert wird, ist das gut so. Aber wer jetzt nur darauf setzt, springt zu kurz. Gebraucht werden ein Mobilitätsmanagement, die Vernetzung aller Verkehrsmittel, die Stärkung der Verkehrssicherheit und eine soziale Preisgestaltung“, so Klaus Wicher, 1. Landesvorsitzender Sozialverband Deutschland (SoVD).

„Neue Mobilitätskonzepte dürfen die Gesellschaft nicht spalten. Es darf keine mobile Gesellschaft geben, in der manche, dank ihrer citynahen Arbeit, das Rad nutzen können und andere, die wegen der hohen innerstädtischen Mieten am Stadtrand wohnen, aufs Auto angewiesen sind“, so Wicher weiter. Diese Entwicklung könnte durch die Pandemie verstärkt werden. Es sei gut, wenn Hamburg etwa durch Pop-up Radwege erprobe, wie neue Ideen ankommen. Der Hamburger SoVD-Chef verweist auf Studien, die eine Corona-getriebene, neue Bedeutung des individuellen und öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) ausmachen. „Hamburger Verkehrskonzepte müssen sich schon jetzt auf eine neue Mobilitäts-Normalität einstellen.“ Sehr zu beachten sei, dass in Hamburg die Armut im Jahr 2020 zugenommen habe und damit die Zahl der Menschen die ausgegrenzt würden: „Zur Sicherung der Teilnahme an den vielfältigen Möglichkeiten Hamburgs ist es eine Grundvoraussetzung, dass bedürftige Menschen kostenfrei und andere preiswert mit dem ÖPNV fahren können. Das wäre der erste Schritt zu einer sozial ausgewogenen Verkehrswende. Ohne diesen Schritt ist alles andere weniger Wert.“

So gehen Verkehrswissenschaftler*innen von einer reduzierten Mobilität auch nach Corona aus. Durch Home-Office und Home-Shopping lassen sich Pendler-Wege zur Arbeit oder Touren in die City einschränken. Es ist allerdings nicht sicher, dass dieser Weg tatsächlich von den Unternehmen und der öffentlichen Verwaltung auch in großem Umfang so beschritten wird, fügt Wicher an. Zunehmend spielen das Gefühl der eigenen Sicherheit und die vermutete Infektionsgefahr eine wachsende Rolle: Der private PKW gewinnt an Bedeutung, aber auch Fahrradfahren oder Laufen. Wicher verweist auf die sozialpolitischen Leitlinien des SoVD Hamburg: „Wer kein Auto besitzt, wegen Alter, körperlicher Einschränkung, Geldmangels oder Krankheit kein Rad nutzen kann, darf nicht vom Leben abgeschnitten sein. Jeder muss weiter seinen Arbeitsplatz, öffentliche Angebote, Ämter oder Ärzte aufsuchen können. Die neue Mobilität muss soziale Teilhabe ermöglichen – überall.“