Presse SoVD-Landesverband Hamburg

Homeschooling verschärft soziale Ungleichheit

„Vor allem Kinder und Jugendliche aus ökonomisch schwachen Haushalten bekommen es zu spüren, wenn die Schule im digitalen Klassenzimmer bei der Ausstattung mit technischem Equipment und stabilen Netzen versagt“, mahnt SoVD-Landeschef Klaus Wicher.

Das Virus wirkt bei armen und damit stark belasteten Familien wie ein Turbo. Ohnehin schon existente Stigmatisierung, Not und Ausgrenzung verschärfen sich zusehends.

Die Pandemie bringt vieles ans Tageslicht, über das wir sonst hinwegsehen. Die gesellschaftliche Ungleichheit wird immer spürbarer, vor allem für Familien, die arm oder bedürftig sind. Ihre Kinder müssen damit leben, dass es zuhause nur wenig Platz gibt, die technische Ausrüstung für die Schule nicht vorhanden ist und die Eltern zu geringe oder andere Qualifikationen und Sprachkenntnisse haben, um bei den Hausaufgaben zu helfen. „Diese jungen Menschen sind außerdem konfrontiert mit den Sorgen der Eltern, ihrer Angst um Arbeit, Geld und die Zukunft. Das ist eine große psychische Belastung für Kinder und Jugendliche, der sie zumeist nicht mal entfliehen können“, sagt Klaus Wicher, 1. Landesvorsitzender Sozialverband Deutschland (SoVD) in Hamburg. 

Das Homeschooling trage dazu bei, diese Ungerechtigkeiten zu vergrößern: „In unserer Beratung haben wir jetzt öfter den Fall, dass bedürftige Eltern das Laptop oder den Drucker für ihr Kind nicht bezahlen können. Obwohl allen Hamburger Schulen die ausreichende technische Ausstattung versprochen wurde, gibt es große Lücken bei der Versorgung. Ausbaden müssen es aber die Schüler*innen. Das kann nicht sein! Hier muss die Schulbehörde sofort aktiv werden – oder die Lernanforderungen an die Schüler*innen endlich an den Realitäten, die wir derzeit haben, anpassen. Kindern und Jugendlichen vorzugaukeln, ein normales „weiter so“ sei möglich, wenn man sich nur genug angestrengt, ist realitätsfern.“ Stattdessen sollte man Kinder und Jugendliche stärker wahrnehmen: „Zeigen wir Verständnis für unseren Nachwuchs, der sein Bestes gibt, in dieser Krise zurecht zu kommen. Sorgen wir dafür, dass Bildung für sie alle erreichbar bleibt.“