Presse SoVD-Landesverband Hamburg

Hamburg braucht dringend einen sozialen Arbeitsmarkt

SoVD-Landeschef Klaus Wicher zu den neuesten Arbeitsmarktdaten: „Langzeitarbeitslosigkeit ist nach wie vor auf dem Vormarsch und trifft diejenigen mit voller Wucht, die sowieso schon benachteiligt sind. Wir müssen handeln – und zwar sofort!“

Die Corona-Pandemie zeigt gnadenlos die Sollbruchstellen unserer Gesellschaft auf: „Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist in Hamburg innerhalb eines Jahres um 60 Prozent gestiegen. Damit sind derzeit knapp 27.000 Menschen betroffen. Das ist sehr schmerzlich, denn das Problem besteht ja schon sehr lange“, so Klaus Wicher, 1. Landesvorsitzender Sozialverband Deutschland (SoVD) in Hamburg. Er befürchtet, dass noch viel mehr Menschen in der Hansestadt schon sehr bald dazu kommen könnten: „Alleinerziehende, Ältere über 50, Menschen mit Behinderung – in all diesen Gruppen ist die Arbeitslosigkeit um 30 Prozent und mehr gestiegen. Das ist eine schlechte Nachricht, denn viele von ihnen werden auch in einem Jahr noch keinen neuen Job haben und in die Langezeitarbeitslosigkeit abrutschen. Diese Entwicklung spaltet unsere Gesellschaft noch einmal mehr und macht immer mehr Menschen zu den Verlierern.“

Wicher wirft der Politik vor, versagt zu haben: „In Hamburg hat sich trotz Einführung des Teilhabechancengesetzes schon vor Ausbruch von Corona zu wenig getan. Wir fordern schon seit Jahren vergebens die Einführung eines zweiten Arbeitsmarkts, denn nur wenige Langzeitarbeitslose habe eine echte Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt. Sie brauchen deutlich mehr Unterstützung“. Vor allem die Beschäftigungsträger, die den Betroffenen Perspektiven anbieten könnten, hätten seit Jahren zu wenig Planungssicherheit und fühlten sich von der Stadt alleingelassen. „Dabei sind diese Träger ein echter Schatz. Sie kennen ihre Klientel und wissen, wie sie diese Menschen richtig unterstützen. Wenn aber die Stadt zögert, die Basisfinanzierung für deren Arbeit zu sichern und einzelne Projekte nicht ausreichend finanziert, geht an dieser Stelle eine wichtige Unterstützung verloren. Angesichts der neusten Zahlen können wir uns das jetzt wirklich nicht mehr leisten!“