Presse SoVD-Landesverband Hamburg

Alleinerziehende Frauen leben überdurchschnittlich oft in Armut

Der Hamburger SoVD-Landeschef Klaus Wicher fordert mehr Unterstützung durch flexible berufliche Qualifizierungschancen und verlässliche Kinderbetreuung

Laut neuester Studie der Bertelsmann Stiftung liegt das Armutsrisiko bei alleinerziehenden Frauen bei hohen 88 Prozent. Die Hamburger Sozialbehörde will sie deutlich stärker unterstützen – und ihnen mehr Chancen auf berufliche Qualifikation eröffnen. „Das ist wichtig für die Frauen, um der Armut die Stirn zu bieten. Sie müssen aber vor allem bei der Betreuung ihrer Kinder bevorzugt entlastet werden, mit Kita- und Betreuungsplätzen wie auch mit kostenlosem Frühstück und Mittagessen in der Schule“, mahnt Klaus Wicher, 1. Landesvorsitzender Sozialverband Deutschland (SoVD) in Hamburg.

Wicher wünscht sich von Sozialsenatorin Leonhard deutlich mehr sichtbares Engagement bei der Unterstützung alleinerziehender Frauen: „Alleinerziehende Elternteile, mehr als 80 Prozent davon Frauen, sind überdurchschnittlich oft von Armut betroffen. Es ist gut, dass sie in Zukunft mehr Zeit bekommen, sich beruflich zu qualifizieren. Vor allem die auch in Hamburg zu geringe Zahl an Teilzeitausbildungen muss deutlich aufgestockt werden. Diese Angebote müssen flexibler gestaltet und individuell auf die alleinerziehenden Frauen abgestimmt werden. Neben einem Job mit Perspektive brauchen sie aber vor allem eine verlässliche Betreuung für ihre Kinder, auch zu ungewöhnlichen Zeiten, wie beispielsweise nachts und an Wochenenden – sonst nützt die beste Perspektive nichts.“

Er verweist auf den Hamburger Koalitionsvertrag: „Darin hat sich Rot-Grün festgelegt, das Kita-Angebot auszubauen und für besondere Bedarfe, beispielsweise für Eltern, die im Schichtdienst arbeiten, eine bessere Betreuung anzubieten. Da ist noch sehr viel Luft nach oben. Außerdem klappt es nicht mit der Verbreitung von Informationen. Viele Alleinerziehende wissen gar nicht, welche Hilfen sie in Anspruch nehmen können. Hier sollte die Sozialsenatorin mal über eine offenere und niedrigschwelligere Kommunikation mit den Bürger*innen nachdenken.“

Wichtig sei außerdem, dass die Entlastungsangebote kostenlos sind: „Eine beitragsfreie Kindertagesbetreuung von acht Stunden täglich wäre ein wichtiger Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, und fördert die Bildungsgerechtigkeit– damit Kinder aus armen Familien genauso die Chance auf eine gute Zukunft bekommen, wie alle anderen auch. Ganz dringend muss für sie Hartz IV aufgestockt werden. Die SPD und Frau Leonhardt hätten hier die Gelegenheit, sich für eine engagierte Politik für arme Frauen und Kinder im Bund stark zu machen!“