Presse SoVD-Landesverband Hamburg

Gesundheitsämter in Hamburg: „Mangel an Fachpersonal trifft vor allem arme Kinder und Jugendliche“

„Die Lage ist sehr angespannt, weil wir dort zu wenige Ärztinnen und Ärzten haben. Wie auch in der Pflege brauchen wir hier eine Aufwertung der geleisteten Arbeit – und ein schnelles Eingreifen des Senats, um die Zustände zu ändern“, so SoVD-Landeschef Klaus Wicher.

Wicher sorgt sich vor allem um die Kinder und Jugendlichen: „Schon vor Corona haben zwei Kleine Anfragen der Linken an den Senat in den Jahren 2015 und 2018 offengelegt, dass es beim Kinder- und Jugendgesundheitsdienst großen personellen Bedarf gibt. Dies gilt in fast allen Bezirken, von Bergedorf über Wandsbek, Nord bis Altona. Zwar sind die vakanten Stellen in Eimsbüttel, Harburg und Mitte weniger, insgesamt muss man aber sagen, dass in allen Bezirken nicht alle Stellen besetzt sind.“

Die Folge sei eine permanente Überlastung des medizinischen Personals sowie eine teils mangelhafte Betreuung und Versorgung der jungen Hamburger. Die Corona-Pandemie habe das Problem zusätzlich verschärft, so Wicher weiter: „Dadurch, dass sich die Amtsärzte jetzt auch um das Kontaktpersonen-Management kümmern müssen, bleiben andere Aufgabe liegen.“ Zwar habe die Stadt zusätzliche Mitarbeiter dafür rekrutiert, der größte Teil davon bestehe aber aus Medizinstudenten, Verwaltungspersonal und Hilfskräften, die zudem nur befristet bis zum Jahresende angestellt sind. „Hier wird gut auf die Corona-Pandemie reagiert. Ich befürchte aber, dass sich grundsätzlich nichts am Personalmangel in den Gesundheitsämtern ändert.“

Dass es vor allem bei der gesundheitlichen Versorgung von Kindern und Jugendlichen deutliche personelle Lücken gibt, ist für Wicher nicht akzeptabel: „Gerade hat eine neue Bertelsmann-Studie wieder gezeigt, dass jedes fünfte Kind in Deutschland, und auch in Hamburg, in Armut groß wird. Umso wichtiger ist die enge Betreuung dieser Kinder in den ersten Lebensjahren. Hier werden viele Weichen, auch gesundheitliche, für ein ganzes Leben gestellt. Denn das Gesundheitsamt begleitet Kinder und Jugendliche – vom Säuglingsalter bis in die Schulzeit – in allen Fragen der Gesundheit und Entwicklung. Darauf sind vor allem arme Kinder angewiesen. Der Senat sollte an dieser Stelle ein klares Zeichen setzen und sich uneingeschränkt zu einer guten gesundheitlichen Versorgung für alle bekennen.

Wicher fordert von der Gesundheitsbehörde und dem Senat eine grundsätzliche Aufwertung der Arbeit, die die Gesundheitsämter leisten: „Die Politik muss dafür sorgen, dass endlich das ärztliche Personal aufgestockt und im Vergleich zu den Kolleginnen und Kollegen in den Kliniken angemessen bezahlt wird. Schon im Studium sollte das Fachgebiet Bevölkerungsmedizin besser vermittelt werden.“