Zum Jahresbeginn 2026 treten zahlreiche soziale Neuerungen in Kraft. Viele Regelungen gelten bundesweit, einige wichtige Punkte betreffen Hamburger:innen jedoch ganz besonders. Der SoVD Hamburg gibt einen Überblick und ordnet ein, was die Änderungen im Alltag bedeuten.
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Neuerungen 2026: Das ändert sich im Sozialen
Familien: Mehr Geld, aber weiter hohe Kosten
Kindergeld steigt bundesweit
Familien erhalten ab 2026 etwas mehr Kindergeld pro Monat nämlich 259 Euro (statt wie bisher 255 Euro) pro Monat und Kind. Das sorgt für eine leichte Entlastung, gleicht jedoch die steigenden Kosten für Wohnen, Energie und Lebensmittel nur teilweise aus – gerade in einer teuren Stadt wie Hamburg.
Steuerliche Kinderfreibeträge angehoben
Die steuerlichen Kinderfreibeträge (Kinderfreibetrag + Freibetrag für Betreuung, Erziehung und Ausbildung) werden von 9.600 auf 9.756 Euro pro Kind angehoben.
Regelung beim Kinderkrankengeld bleibt verbessert
Eltern können auch 2026 mehr Kinderkrankentage nutzen. Jedes Elternteil hat Anspruch auf 15 Tage pro Kind (Alleinerziehende 30 Tage), bei mehreren Kindern gibt es eine Obergrenze von 35 Tagen pro Elternteil (Alleinerziehende 70 Tage). Für viele Hamburger Familien, insbesondere Alleinerziehende, ist das wichtig, da Betreuungsalternativen im Krankheitsfall oft fehlen.
Mindestunterhalt für Kinder leicht angehoben
Der monatliche Mindestunterhalt für minderjährige Kinder beträgt bundesweit seit dem 1. Januar 2026 gestaffelt nach Alter: 486 Euro für 0- bis 5-Jährige, 558 Euro für 6- bis 11-Jährige und 653 Euro für 12- bis 17-Jährige. Für volljährige Kinder erhöht sich der Bedarf auf 698 Euro. Der Bedarfssatz für Auszubildende und Studierende, die nicht zu Hause leben, bleibt unverändert bei 990 Euro.
Arbeit, Mindestlohn und Minijob: Mehr Einkommen – aber mit Grenzen
Mindestlohn steigt
Beschäftigte im Niedriglohnbereich erhalten 2026 mehr Geld pro Stunde. In Hamburg kann der seit Januar geltende Mindestlohn von 13,90 Euro pro Stunde mit den realen Lebenshaltungskosten der Stadt allerdings kaum Schritt halten.
Steuerlicher Grundfreibetrag steigt
Der steuerliche Grundfreibetrag, also das Einkommen, bis zu dem keine Einkommenssteuer gezahlt werden muss, ist von bisher 12.096 Euro auf 12.348 Euro gestiegen.
Höhere Verdienstgrenze im Minijob
Weil die Minijob-Verdienstgrenze an den Mindestlohn gekoppelt ist, dürfen Minijobber:innen künftig mehr verdienen, ohne ihren Status zu verlieren. Sie ist von 556 Euro auf 603 Euro monatlich gestiegen. Das ist für viele Hamburger:innen relevant, die Minijobs zur Aufstockung nutzen – etwa Studierende, Rentner:innen oder Menschen mit mehreren Jobs. Aber Achtung: Minijobs sind nur eingeschränkt sozial abgesichert.
Rentenversicherung im Minijob neu bewerten
2026 soll es erneut möglich sein, sich bewusst für die Rentenversicherung im Minijob zu entscheiden. Das kann sich langfristig lohnen, da auch kleine Beiträge spätere Rentenansprüche erhöhen – ein wichtiger Punkt angesichts steigender Altersarmut, auch in Hamburg.
Bürgergeld wird neue Grundsicherung, Regelsätze bleiben
2026 bleibt die Höhe der Regelsätze des Bürgergeldes unverändert. Alleinstehende Erwachsene erhalten weiterhin 563 Euro im Monat, in Partnerschaft lebende Erwachsene 506 Euro. Das Bürgergeld ist eine Grundsicherung für Menschen, die ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenem Einkommen oder Vermögen decken können. Das Bürgergeld wird voraussichtlich zum 1. Juli 2026 in „Grundsicherung für Arbeitssuchende“ umbenannt. Damit sollen gemäß Gesetzentwurf strengere Sanktionen und geänderte Karenzzeiten für Vermögen (aktuell 12 Monate) verbunden sein.
Leistungsauszahlungen
Sozialleistungen sollen künftig nicht mehr bar ausgezahlt werden. Die Überweisung auf ein Girokonto wird also Standard, Barzahlungen werden nur noch in Ausnahmefällen gestattet, wenn den Leistungsempfänger:innen eine Kontoeröffnung nicht möglich ist. Bei der Rentenauszahlung soll diese Ausnahmeregelung zukünftig nicht gelten.
Krankenversicherung und Beiträge: Mehr Belastung spürbar
Steigende Krankenkassenbeiträge
Der Zusatzbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung steigt. Der durchschnittliche Satz wurde auf 2,9 Prozent erhöht (von 2,5 Prozent in 2025), wobei jede Kasse ihren individuellen Satz festlegt. Dies kann zu weiteren Erhöhungen führen. Für viele Versicherte bedeutet das: weniger Netto vom Brutto. Gerade in Hamburg, wo Mieten und Lebenshaltungskosten hoch sind, trifft diese Entwicklung Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen besonders. Ob sich ein Wechsel lohnt, zeigt zum Beispiel die Website von Finanztip: finanztip.de/gkv.
Höhere Beitragsbemessungsgrenzen
Besserverdienende zahlen 2026 mehr Sozialversicherungsbeiträge. Angestellte zahlen jeden Monat einen Beitrag in die gesetzliche Rentenversicherung ein – allerdings nur bis zu einer bestimmten Gehaltsgrenze. Bisher galt: Wer mehr als 8.050 Euro brutto im Monat verdient, der muss von der Summe oberhalb dieser Grenze keine Beiträge mehr zahlen. In 2026 erhöht sich diese Grenze auf monatlich 8.450 Euro. In der gesetzlichen Krankenversicherung ist die Beitragsbemessungsgrenze ebenfalls gestiegen – von monatlich 5.512,50 Euro auf 5.812,50 Euro in 2026. Angesichts der angespannten Finanzlage der Versicherungen und der hohen finanziellen Belastung kleiner und mittlerer Einkommen insgesamt ist dies ein notwendiger Schritt in die richtige Richtung.
Rente und Erwerbsminderung: Kleine Verbesserungen
Rentenerhöhung zur Jahresmitte
Auch 2026 ist eine Rentenanpassung geplant. Erwartet wird eine Erhöhung zum 1. Juli um rund 3,7 Prozent. Für viele Rentner:innen in Hamburg wird diese jedoch kaum ausreichen, um die gestiegenen Lebenshaltungskosten aufzufangen.
Hinzuverdienst durch Aktivrente
Mit der Aktivrente können Rentner:innen, die über das rentenfähige Alter hinaus arbeiten, ab 2026 bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei zur Rente hinzuverdienen. Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung müssen jedoch gezahlt werden.
Mehr Hinzuverdienst bei Erwerbsminderungsrente
Menschen mit Erwerbsminderungsrente dürfen künftig mehr hinzuverdienen. 2026 gilt bei der vollen Erwerbsminderungsrente eine jährliche Hinzuverdienstgrenze von rund 19.661 Euro. Bei der Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung wird die Hinzuverdienstgrenze individuell berechnet und orientiert sich am höchsten Verdienst der letzten 15 Jahre vor Eintritt der Erwerbsminderung. Das erleichtert es Betroffenen, im Rahmen ihrer gesundheitlichen Möglichkeiten aktiv zu bleiben und das Einkommen aufzubessern.
Ehrenamtspauschale erhöht
Die steuer- und sozialversicherungsfreie Ehrenamtspauschale, mit der Vereine und andere Einrichtungen Ehrenamtliche für ihre freiwillige Arbeit bezahlen, wurde für 2026 von 840 Euro auf 960 Euro pro Jahr erhöht.
Besonderheiten in Hamburg: Wohnen und Mobilität
Mietpreisbremse gilt weiter
Hamburg verlängert die Mietpreisbremse. Sie gilt auch 2026 bei Neuvermietungen und soll Mieter:innen vor extremen Mieterhöhungen schützen. Der SoVD Hamburg begrüßt die Entscheidung, weist aber darauf hin, dass die Mietpreisbremse allein die Wohnungsnot nicht löst und konsequent kontrolliert werden muss.
Vergünstigtes Deutschlandticket für Senior:innen
Hamburger:innen ab 67 Jahren können ab Mai 2026 ein vergünstigtes Deutschlandticket nutzen. Voraussetzung ist ein Hamburger Wohnsitz. Doch für viele mit wenig Geld ist der Preis von 49 Euro keine finanzielle Entlastung. Der SoVD Hamburg setzt sich seit Jahren für ein 29-Euro-Ticket für ältere Menschen sowie damit verbundene bessere Teilhabechancen ein. Für bedürftige Senior:innen muss das Ticket – wie bei Schüler:innen – kostenfrei sein. Nur so wird der ÖPNV wirklich sozial und attraktiv für alle.
SoVD-Einordnung: Entlastungen reichen nicht aus
Viele der Änderungen im Jahr 2026 bringen zwar punktuelle Verbesserungen, sie zeigen aber auch deutlich: Die soziale Sicherung steht weiter unter Druck. Steigende Beiträge in der Krankenversicherung, höhere Lebenshaltungskosten und oft nur moderate Leistungsanpassungen treffen insbesondere Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen, Rentner:innen sowie Familien.
Der SoVD Hamburg fordert deshalb:
- soziale Leistungen armutsfest auszugestalten,
- Beiträge gerechter zu finanzieren,
- Minijobs nicht weiter auszubauen, sondern reguläre Beschäftigung zu stärken und
- soziale Hilfen in Hamburg dauerhaft zu sichern und auszubauen.
Denn soziale Sicherheit darf nicht vom Wohnort oder Einkommen abhängen. Gerade in einer teuren Stadt wie Hamburg braucht es starke, verlässliche soziale Sicherungssysteme.