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Medizinische Versorgung in Hamburg gerecht verteilten

Hamburg ist attraktiv, auch für Ärztinnen und Ärzte. Und die medizinische Versorgung ist gut –  zumindest auf den ersten Blick. Denn gerade in Vierteln, in denen viele einkommensschwache Menschen wohnen, fehlt ärztliches Fachpersonal. Abhilfe schaffen können Polikliniken und dezentrale Gesundheitszentren, wie sie jetzt auch die Hamburger Politik vorsieht – und wie der SoVD schon seit langem fordert.

Laut Verband der Ersatzkassen gewährleisten etwa 5.200 Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen die ambulante medizinische Versorgung in Hamburg. Das hört sich gut an. „Doch wer den Blick geographisch schärft, sieht, dass gerade in den benachteiligten Vierteln besonders Fachärzt:innen fehlen. Hier arbeitet man in der Regel viel und verdient vergleichsweise wenig.“, so Klaus Wicher, 1. Landesvorsitzender Sozialverband Deutschland (SoVD), Landesverband Hamburg. Vor allem also dort, wo viele ohne Arbeit, ohne Schulabschluss oder mit Migrationshintergrund leben, müsse die Versorgung mit Allgemein- sowie Kinderärzt:innen verbessert werden.

Von den 5.200 Fachkräften sind 1.300 nicht als selbstständige Vertragsärzt:innen niedergelassen, sondern angestellt in Praxen oder MVZ. Das Konzept der MVZ entstammt dem GKV-Modernisierungsgesetz von 2004 – und seither steigt ihre Zahl auch in Hamburg. Mittlerweile arbeitet jede und jeder Fünfte in einem MVZ (2020). Das ist bundesweit der höchste Anteil. Doch die Einzelpraxis ist und bleibt die beliebteste Form der Niederlassung.

Die freie Wahl der Praxis führe dazu, dass diese sich dort ballen, wo Patient:innen besser situiert sind. Daher plädiert der SoVD für medizinische Versorgungszentren (MVZ) und Polikliniken, wie auf der Veddel: Einerseits kann hier das ärztliche Fachpersonal durch eine gemeinsame Infrastruktur günstiger arbeiten und Arbeitszeiten flexibel im Team ausgestalten. Andererseits finden die Patient:innen ein ganzheitliches Angebot vor – mit Ärzt:innen, Krankenpflegekräften, medizinischem und sozialpädagogischem Fachpersonal, Psycholog:innen sowie Gesundheitswissenschaftler:innen.

Wicher begrüßt daher den Senatsplan für „Interdisziplinäre Stadtteil-Gesundheitszentren“ (ISGZ). Diese sollen die gesamte medizinische Versorgung leisten – von der Sozialberatung über die Prävention hin zur Pflege. Und sie sollen die haus- und kinderärztliche Versorgung einschließen. Das wiederum kritisiert die Ärztekammer. Der SoVD-Landeschef hingegen fordert den Senat dazu auf, sich aktiver für eine bessere Gesundheitsversorgung einsetzen, denn die finanzielle Ausstattung reiche nicht: „Der Hamburger Senat sollte mit der Kassenärztlichen Vereinigung über stadtteilgebundene Arztsitze verhandeln. Die Ärzteschaft braucht Anreize dafür, sich für einen schwachen Stadtteil stark zu machen. Kredite könnten zum Beispiel helfen, um freiwerdende Praxen sozialraumorientiert zu besetzen. Denn: Zur sozialen Gerechtigkeit gehört auch eine gleichwertige medizinische Versorgung für alle. Der Morbiditätsatlas zeigt jedoch klar, dass hohe gesundheitliche Belastungen mit schlechten Lebensverhältnissen einhergehen – traurig, aber wahr: wer arm ist, stirbt also eher.“