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Gesund­heit: „Wer bei Psy­cho­the­ra­pie spart, zahlt am Ende drauf“

Ein Mann sitzt auf einem Bett und schaut aus einem großen Fenster mit weißen Vorhängen. Das Zimmer ist in sanftes Licht getaucht, das durch die Vorhänge fällt. Im Hintergrund sind unscharf Gebäude zu erkennen. Der Mann trägt ein T-Shirt und hat kurze Haare.

Der SoVD Hamburg kritisiert die geplante Honorarkürzung für Psychotherapeut:innen zum 1. April 2026 scharf. Die Versorgung für gesetzlich Versicherte droht, sich zu verschlechtern. Doch die Entscheidung ist nicht nur gesundheitspolitisch falsch, sondern auch volkswirtschaftlich kurzsichtig.

Nach einem Beschluss des GKV-Spitzenverbandes wird die Vergütung für ambulante Psychotherapie um 4,5 Prozent gesenkt. „Psychische Erkrankungen gehören zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung“, weiß Klaus Wicher, SoVD-Landesvorsitzender. Studien zeigen klar: Frühzeitige psychotherapeutische Behandlung verhindert Folgekosten und entlastet das Sozialsystem. „Wer hier kürzt, spart nicht! Er verlagert Kosten, zum Beispiel für Krankengeld und Erwerbsminderungsrenten, in die Zukunft“, so Wicher.

Psychische Erkrankungen sind längst eine Volkskrankheit – auch in Hamburg. Der Bedarf steigt seit Jahren kontinuierlich. Rund jede vierte erwachsene Person ist innerhalb eines Jahres betroffen.* Die aktuelle „Trendstudie Jugend“ zeigt: Auch rund jedes vierte Kind ist inzwischen psychisch belastet oder auffällig. Viele von ihnen entwickeln im Verlauf eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung. „Hinter diesen Zahlen stehen in Hamburg hunderttausende Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind und meist monatelang auf einen Therapieplatz warten“, sagt Wicher. „Eine Kürzung der Vergütung droht diese Situation weiter zu verschärfen.“ Und sie trifft ausgerechnet eine Berufsgruppe, die ohnehin vergleichsweise niedrig vergütet wird. 

Wicher erinnert zudem daran, dass die Politik in den vergangenen Jahren angekündigt hatte, die psychotherapeutische Versorgung gezielt zu stärken und den Beruf attraktiver zu machen. Die aktuelle Entscheidung sende das gegenteilige Signal. „Wir brauchen mehr Therapieplätze, nicht weniger Anreize für den Beruf“, so Wicher. „Wenn sich die wirtschaftlichen Bedingungen hingegen weiter verschlechtern, drohen weniger Niederlassungen sowie die Verschiebung hin zu mehr Privatpraxen und Teilzeit. Für gesetzlich Versicherte würde sich der Zugang zur Versorgung weiter verschlechtern.“

Der SoVD Hamburg fordert daher, die Honorarkürzung zurückzunehmen und stattdessen gezielt in den Ausbau psychotherapeutischer Versorgung zu investieren. „Eine gute Versorgung ist nicht nur eine Frage der Gesundheit, sondern auch der sozialen und wirtschaftlichen Vernunft“, betont Wicher.

*Quelle: Verband der Ersatzkassen

 

Der SoVD Hamburg (Sozialverband Deutschland, SoVD-Landesverband Hamburg e.V.) ist ein gemeinnütziger Verein, in dem rund 28.000 Mitglieder organisiert sind. Damit ist der SoVD die größte sozialpolitische Interessenvertretung in der Hansestadt. Seine Mitglieder berät der SoVD sozialrechtlich zu Fragen rund um die Themen Rente, Kranken- und Pflegeversicherung, Schwerbehindertenrecht, Grundsicherung und Arbeitslosenversicherung. In Widerspruchs- und Klageverfahren übernimmt er ihre sozialrechtliche Vertretung.

Presse-Material

 

Kontakt
Nicola Timpe
Stv. Pressesprecherin SoVD Hamburg
Telefon: 0151 23236756
E-Mail: presse@sovd-hh.de

SoVD Sozialverband Deutschland e.V., Landesverband Hamburg
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