Wohnen bleiben im Quartier – auch wenn der Pflegebedarf steigt: „Ein verständlicher Wunsch, denn, wer lange an einem Ort lebt, ist gut vernetzt in der Nachbarschaft und weniger einsam“, sagt Klaus Wicher, SoVD-Landesvorsitzender. Er begrüßt, dass Hamburg in einem Modellversuch gemeinsam mit den Pflegeträgern niedrigschwellig Pflege vor Ort aufbauen will, fordert insgesamt aber mehr Angebote für Ältere, und den Aufbau von Senior:innenzentren.
Mit dem neuen Modellprojekt „Wohnen bleiben im Quartier“ will die Stadt auf den steigenden Pflegebedarf der kommenden Jahre reagieren. Die Ausweitung des Projekts Lebendige Nachbarschaft (LENA) gehört genauso dazu, wie die Einführung von Community Health Nurses, die mobil im Quartier unterwegs sein sollen: „Schon früher gab es die Gemeindeschwestern, die sehr gut beraten, begleitet und gepflegt haben“, lobt Wicher das Modellprojekt: „Es macht Hoffnung auf eine bessere Pflege zuhause“.
Wicher unterstützt das neue Modellprojekt auch deshalb, weil arme und armutsbedrohte Menschen sehr davon profitieren: „Dieses Projekt hilft allen pflegebedürftigen Menschen dabei, im Alter im Quartier zu bleiben“.
Sorge macht dem SoVD-Landesvorsitzenden aber die kurzfristige Finanzierung, die nur drei Jahre dauert und deren Anschlussfinanzierung schwierig werden könnte: „Da muss im Anschluss zügig evaluiert und für eine Anschlussfinanzierung gesorgt werden, damit diese Idee weitergeführt wird und das Leben für die Älteren in ihrem gewohnten Umfeld möglich bleibt. Wenn Hamburg eine Age-friendly City werden soll, muss die Stadt nach dem Ende der Modellphase dafür eigenes Geld in die Hand nehmen und außerdem mehr Angebote für Senior:innen entwickeln, die darüber hinaus gehen!“.
Senior:innenarbeit könne man nicht pauschal nur auf eine gute Pflege herunterbrechen, sagt Wicher: „Ich bleibe dabei – Hamburg braucht Senior:innenzentren, die alles, Pflegeunterstützung, Information und Beratung, Freizeitangebote und das, was den Stadtteil ausmacht, unter einem Dach bündeln. Diese umfassende Arbeit können Träger aus dem Pflegebereich nicht schultern, dazu braucht es die Mitwirkung von Vereinen, Organisationen, Ehrenamtlichen und vor allem der Stadt.“
