Eine neue öko-soziale Denke für Hamburg

SoVD-Landeschef Klaus Wicher fordert, dass die Hansestadt nicht nur Vorreiter beim Klimaschutz ist: „Hamburg muss auch bei der Vernetzung von sozialen und ökologischen Aspekte das Tor zur Welt der Klimaneutralität und sozialen Gerechtigkeit sein.“

Bisher wurden Soziales und Klimaschutz nicht zusammen gedacht. „Ein fataler Fehler. Das eine wird ohne das andere nicht umsetzbar sein. Die steigenden Preise für Strom und Heizung zum Beispiel, treffen zwar alle gleichermaßen, aber Geringverdienende stets schwerer als andere. Deshalb brauchen wir neue sozial-ökologische Strategien, um die Umweltpolitik sozialer zu machen und für mehr ökologische Gerechtigkeit zu sorgen“, sagt Wicher.

Wenn etwa die Verkehrspolitik stärker auf das Rad setzt, darf dies nicht zu Lasten derer gehen, die aufgrund von Alter oder Krankheit auf das Auto oder andere mobile Verkehrsangebote angewiesen sind. Im Rahmen der Mobilitätswende sollte der ÖPNV kostenfrei von allen Bedürftigen genutzt werden können: „Es passt nicht, wenn einige zwar ein E-Auto fahren und andere sich noch nicht mal Bahn und Bus leisten können.“ Ähnliches gilt für Wohnen und Ernährung. Zudem müssen für den sozialen Wohnungsbau künftig Resilienz und Nachhaltigkeit oberste Priorität haben.

Der SoVD Hamburg begrüßt Konzepte, die zeigen: Umweltschutz hat eine positive soziale Wirkung. Schon jetzt leben ärmere Menschen häufig in einer massiver belasteten Umwelt und müssen mehr soziale sowie gesundheitliche Folgen tragen. So fand die Corona-Pandemie in sozial schwachen Hamburger Stadtteilen deutlich mehr Opfer als in gut situierten Wohngegenden.

Wenn Umwelt- und Sozialpolitik zusammengedacht werden, profitieren Menschen mit kleinen Einkommen etwa von einer klimaneutralen Aufwertung der Standorte wie auf Finkenwerder. Sie haben einen Nutzen, weil die Umwelt- und Lebensqualität ihres Viertels wachsen. Wicher: „Wenn wir diese Synergien nutzen, gibt es mehr ökologische und soziale Gerechtigkeit. Umweltpolitik kann helfen, Armutsrisiken zu bekämpfen. Wir sollten sie auch als präventive Sozialpolitik verstehen.“