Wie behindertenfreundlich ist der HVV?

SoVD-Landeschef Klaus Wicher und Detlef Baade, ehemaliger Vorsitzender der Schwerbehindertenvertretung von Eurogate und Mitglied im SoVD-Landesvorstand, machten den Alltagstest – und prüften Bahnhöfe sowie Züge zwischen den Stationen Barmbek und Schlump auf Herz und Nieren.

Wie sieht es mit der Barrierefreiheit in Bus und Bahn aus? Wie kommen Blinde, Rollstuhlfahrer und andere Menschen mit Einschränkungen im Hamburger Verkehrsverbund (HVV) zurecht? [Zur Fotostrecke]

„Unser erster Eindruck war, dass beim HVV das Thema Barrierefreiheit, zumindest auf dieser Strecke, ernst genommen wird“, lobte Klaus Wicher. Sein guter Ersteindruck wurde allerdings leicht getrübt, denn die Suche nach einer öffentlichen Toilette gestaltete sich unerwartet kompliziert. Wer in Barmbek ein Bedürfnis verspürt, muss schon etwas detektivisches Geschick mitbringen, um das WC zu orten: „Am Eingang Richtung Pestalozzistraße fanden wir keinen Hinweis darauf, obwohl es dort jede Menge Informationen gibt. Im Eingang Wiesendamm gab es dann ein Hinweisschild, das in Richtung Busbahnhof zeigte. Das WC haben wir dann nach längerem Suchen in einem Gebäude gegenüber vom Busbahnhof entdeckt“, berichtet Detlef Baade.

Der Weg dorthin ist nicht ganz ungefährlich, denn die Straße wird von Bussen genutzt, die mit relativ hohem Tempo in die Haltebuchten einfahren. „Menschen mit Behinderungen bleibt da eigentlich nur, einen großen Umweg über die nächste Ampelanlage zu nehmen. Mit einem Zebrastreifen könnte man dieses Problem schnell und günstig aus der Welt schaffen.“

Die Behindertentoilette selbst war in einem sehr guten Zustand. Alles machte einen sauberen und funktionalen Eindruck. Allerdings gab es auch hier einen kleinen Wehrmutstropfen: Aufs Klo gehen kann man nur bis 20 Uhr. Da stellt sich die Frage: Wohin danach, wenn es dringend wird?

Am Fahrkartenschalter in Barmbek wurden die beiden Barrieretester freundlich und kompetent beraten, sogar einen fünfzig Euro Schein konnte die Mitarbeiterin dort problemlos wechseln. Mit einem Fahrstuhl, er funktionierte einwandfrei und alle Knöpfe waren auf Sitzhöhe, gelangten sie entspannt auf den Fahrsteig.

Die Bahnhöfe in Hamburg sind inzwischen mit Bodenplatten ausgestattet, die blinden Menschen den Weg weisen und am Bahnsteig markieren, wo im Zug Plätze für behinderte Menschen zur Verfügung stehen. An dieser Stelle ist auch der Bahnsteig selbst erhöht, sodass der Einstieg leichter ist. In der Bahn stellten die Barrieretester fest, dass es genügend Platz für Rollstühle bzw. Kinderwagen gibt. Plätze für Menschen mit Behinderungen waren gut sichtbar gekennzeichnet, allerdings könnten es aus ihrer Sicht mehr sein. Auch vermissten sie einen deutlichen Hinweis darauf, dass diese Plätze freigemacht werden müssen.

Wer den Bahnhof Schlump kennt, weiß, ein Fahrstuhl führt ins Untergeschoss zur U2. Wer an die Oberfläche will, muss einen anderen nehmen. „Behinderte Menschen, die sich nicht auskennen, irren erst mal im Bahnhof umher. Zwei Fahrstühle in entgegengesetzte Richtungen – das ist zu umständlich und insbesondere für blinde oder sehbehinderte Menschen eine Herausforderung. Gerade sie sind im Bahnhof Schlump gehandicapt, denn sie orientieren sich vor allem durch die Bodenmarkierungen: „Im Bahnhof Schlump ist das offenbar nicht konsequent umgesetzt. Vor allem in der oberen großen Eingangshalle konnten wir gar keine dieser notwendigen Wegeführungen ausmachen“, berichtet Wicher.

Insgesamt blieben Klaus Wicher und Detlef Baade aber bei ihrem Urteil in Sachen Barrierefreiheit: Daumen hoch für die Strecke Barmbek-Schlump.

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Klaus Wicher und Detlef Baade (v.l.n.r.) suchen eine erste Orientierung an der großen Infotafel